• Unterwegs mit dem WoMo | Was mich das Nomadenleben gelehrt hat

    Als wir im Frühling unser Haus verkauften und in den Wohnwagen zogen, hatten wir keine Ahnung, wie das Leben im Wohnwagen aussehen würde oder wie es für uns als Familie weitergeht. Es gab keinen wirklichen Plan nur die Idee einfach mal mehr Zeit als Familie zu verbringen und etwas Abstand vom alltäglichen Leben zu gewinnen. Da wir vieles immer schon anders als der Mainstream gemacht haben und Entscheidungen oft nach dem Bauchgefühl getroffen haben, ist es bei vielen auf Unverständnis gestossen. Jedoch hat es sich bei uns von Anfang an richtig angefühlt.

    Was als zaghafte vielleicht auch etwas verrückte Reise begann – ein mutiger Sprung ins Unbekannte – ist zur besten Entscheidung unseres Lebens geworden. Wir sind nach dieser Reise mutiger, stärker und glücklicher zurückgekehrt. Wir sind enger verbunden mit uns selbst, innerhalb der Familie, und mit der Natur. 

    Unser Reiseplan war eigentlich keinen Plan zu haben. Wir reisten von einem Ort zum nächsten, ohne den Wunsch zu haben, Dinge oder Orte von der Liste abzuhaken. Tatsächlich hatten wir keine Liste und ließen uns einfach so treiben. Von Anfang an haben wir uns dafür entschieden, einfach langsamer zu werden und zusammen zu sein und gemeinsam schöne Momente zu erleben.

    Diese intensiven Wochen im WoMo haben uns mehr über das Leben gelehrt als die Jahre zuvor und wir würden es jederzeit wiederholen.

    #1 Die Zeit rennt und die Kinder werden größer

    Die Zeit vergeht wie im Flug, besonders dann wenn man Spaß hat. Die Kinder wachsen so schnell. Gerade auf einer solchen Reise wird einem das so richtig bewusst. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man ungefähr 18 Sommer mit seinen Kindern verbringen kann, bis sie flügge und unabhängig werden. Und das ist so wahr. Es ist nur eine kurze Zeit, in der sie so klein sind und jeder Moment als Familie zählt. Von Tag zu Tag haben wir mehr gelernt im hier und jetzt zu leben und das Beste aus dem “Heute” zu machen und das gute auch an “schlechten Tagen” zu sehen. 

    #2 Draußenliebe und die Natur genießen

    Wir erlebten natürlich auch viele stressige Momente und unzählige Auseinandersetzungen, weil wir von dieser neuen Situation zum Teil völlig überwältigt waren. Und nur weil man in einem Wohnwagen lebt und als Nomade atemberaubende Orte besucht, ist nicht alles eitle Wonne. Es bleibt die Herausforderung, auf engstem Raum ein ordentliches Familienleben zu führen. Es gibt keine Privatsphäre, um etwas Luft voneinander zu bekommen. Wenn es mal wieder in Strömen regnet, die Kinder nörgeln und der Partner einen auf den Wecker geht, ist die Sehnsucht nach mehr Platz und Abstand groß. Es gibt in einem WoMo aber leider kaum Möglichkeiten, Meinungsverschiedenheiten oder mieser Laune zu entkommen. Jedoch haben wir gerade in solchen Situationen gemerkt, dass es besser ist, draußen an der frischen Luft damit umzugehen. Die Natur beruhigte immer unsere Seele und unseren Geist und nach einem langen Strandspaziergang oder einer Wanderung durch den Wald war alles wieder in Ordnung.

    #3 Langsam und bewusst reisen

    Als großer Fan von langsamen und bewussten Reisen war uns schon im vor hinein bewusst, dass wir von Listen mit Sehenswürdigkeiten und langen Reisetagen absehen werden, sondern es uns in erster Linie um die Erfahrungen unterwegs ging. Getreu nach dem Motto ” Die Reise ist das Ziel” wollten wir diese intensive Zeit mit allen Sinnen genießen und uns einfach planlos darauf einlassen. 

    Wir sind alle paar Tage für eine oder mal zwei Stunden gefahren, unterwegs durch kleine Städte geschlendert, haben immer sehr viel Zeit im draußen erlebt und haben so ziemlich schnell auch unterwegs einen ausgeglichenen Familienrhythmus gefunden. Wenn wir von einem Ort besonders fasziniert waren, sind wir auch immer mal wieder spontan ein paar Tage länger geblieben.

    #4 Das einfache Leben "on the road"

    Wir sind schon oft umgezogen und haben an den verschiedensten Orten gelebt. Auch deshalb ist uns ein minimalistischer Lebensstil geblieben und auch mit Kindern versuchen wir diesen Lebensstil zu leben. Es fiel uns also nicht wirklich schwer unsere Sachen auszusortieren und uns zu entschieden was mit muss, und was eingelagert wird. Bei jedem neuen “Aussortieren” wird einem immer wieder bewußt, dass man nicht viel zum Leben braucht und man doch immer wieder zuviel anhäuft. Es ist ein befreiendes Gefühl, nur das Nötigste mitzunehmen und sich bewußt für Dinge zu entscheiden.

    Wir haben das einfach leben sehr genoßen. Barfuß am Strand spazieren zu gehen, zufällige Begegnungen mit Menschen oder ein einfacher, frischer Snack vom Markt.

    #5 Eine neue Perspektive

    Auch wir wurden im klassischen Sinne erzogen und sind in einem typischen Umfeld von Vollzeitjobs und Hypotheken aufgewachsen. Da es kein richtig oder falsch im Leben gibt, sondern jeder seinen Lebensweg selbst finden muss, ist es jedoch von Zeit zu Zeit gut die Perspektive zu wechseln. Wir haben schon relativ früh festgestellt, dass uns die klassische Art zu Leben nicht erfüllt und nicht glücklich macht. Gerade für Kinder bietet ein Nomadenleben die perfekte Umgebung ein Verständnis dafür zu entwickeln wie sie Leben möchten. Sie werden nicht nur offener was fremde Kulturen, fremdes Essen oder fremde Sprachen angeht, sondern können sich auch mehr selbst ausprobieren. 

    #6 Just do it

    Ich weiß. Dieser Satz ist ziemlich abgedroschen, jedoch trifft es alles so ziemlich auf den Punkt. Warte nicht auf den perfekten Zeitpunkt im Leben, denn den gibt es einfach nicht. Versuche nicht jeden Schritt zu überdenken, denn das Leben ist nicht immer planbar und das Beste passiert gerade dann, wenn man es nicht plant. Manchmal ist es am besten den Mut zu haben und es einfach zu tun. Einen Fuß vor den anderen zu setzten der dich Schritt für Schritt deinem Traum näher bringt. Du wirst ziemlich schnell staunen was auf dieser Reise alles passiert und dir zufällig vor die Füße fällt.